Erwachsen werden im Bällebad

Diese Woche habe ich mich als digital native verkleidet und war auf der re:publica. Eingeweihte sagen ja #RP19. Zu meiner Verkleidung gehörte: 1. auf keinen Fall zu verraten, dass ich zum ersten Mal dabei war, 2. Bei jeglicher Erwähnung von Namen prominenter BloggerInnen und PodcasterInnen wissend zu nicken, auch wenn es um ihre Vorträge vom letzten Jahr ging (siehe 1.), und 3. nur engen Vertrauten zu verraten, dass ich mein Ticket bei einer Verlosung auf Twitter gewonnen habe.

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Frau Steffens und die Unbio-Gurke

Viel ist geschrieben worden über die anhaltende Gentrifizierung im Prenzlauer Berg. Mit der Entdeckung des Bionade-Biedermeier fing es 2007 an, und spült seitdem eine nicht enden wollende Serie von Comics, Serien und Artikeln, die häufig ein Bedauern und ein unklares Gefühl von irgendwas-geht-beim-Verändern immer kaputt formulieren, in die threads unserer sozialen Medien und in die überregionale Presse. Mittlerweile schreibt man auch im Kiez selbst darüber, was im Kiez nicht ok, ist und kann sogar einen renommierten Buchpreis dafür bekommen.Weiterlesen »

Vom Knoten lösen und Fäden entwirren

Es gibt sicherlich viele Gründe, Facebook zu verlassen. Katzenvideos könnten einer davon sein. Ich gebe zu, dass ich einiges an Stunden verdaddelt habe, seit ich mein erstes Profil „damals in den 2000ern“ erstellt habe. Ich habe Katzen beobachtet, die auf Staubsaugerrobotern in fremden Wohnungen herumfahren, unbekannten Kleinkindern beim Kampf mit Spaghetti zugeschaut, Polizisten bewundert, die Entenküken aus einem Gulli vor dem Tod retten. Kleine blaue Handsymbole als Zeichen von Zuneigung verteilt. Und frage mich heute: Wie hat diese Form der Zeitverschwendung eigentlich jemals Einzug in mein Leben gehalten?Weiterlesen »

Hesitation & Anticipation: Welcome 2019!

Meinen letzten Text des Jahres widme ich dem Steptanz.

Rhythm Tap und das Zerlegen der Welt in die Regelmäßigkeit der 32 Takte eines Chorus hat mich unglaublich viel gelehrt über Rhythmus, Sounds, Zusammenarbeit, Zuhören, Dynamik und das Entwickeln einer eigenen Stimme. Dass mein Blog etwas mit Rhythmus und der Suche danach in der Welt von Teams und Führungskräften, in der ich mich sonst bewege, zu tun hat, kommt nicht zuletzt von meiner langjährigen Leidenschaft für diese Kunstform.

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Guck mal, wer da spricht

Habt ihr Kinder? Im Schulalter? Wenn ja: Kennt ihr das Phänomen „Klassenchat“? (Wenn nein: seid froh. Oder aber: freut Euch auf das, was ihr noch dazulernen könnt in Sachen Chat-Etikette).

Ich persönlich dachte ja nicht, dass man als Elternteil jemals so viel Unverständnis für die Kommunikationsformen nachfolgender Generation entwickeln kann. Oder zumindest: ich hatte mir irgendwann mal vorgenommen, es nicht zu entwickeln. Damals war ich noch sehr jung und wollte gerne sehr oft sehr spät am Abend sehr lange telefonieren, was auf deutliches Unverständnis derjenigen, die den Telefonanschluss bezahlten, stieß (kennt ihr noch den Satz „Blockiere nicht immer das Telefon!!!“?). Heute, 30 Jahre später, habe ich die Seite gewechselt. Und ertappe mich dabei, den Sinn der meist eingesprochenen Fetzen zu hinterfragen, die Tag und Nacht als unendliche Schlange von gefühlter Nicht-Information über den Bildschirm meines Kindes robben. Hier ein kurzer – natürlich frei erfundener – Einblick in ein Familienleben 4.0, zwischen Abendbrot und Schlafengehen in Form eines Transkripts der eingegangenen Sprachnachrichten:

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Stuhl, Stuhl, Tisch. Oder auch: Die Freiheit des Parameters

Zu den zahlreichen Dingen, die sich dem berufstätigen erwachsenen Menschen als Freizeitbeschäftigung anbieten, gehört die Welt der Inneneinrichtung. Einst noch auf Ikeas Poäng glücklich in der Studenten-WG gewippt, merkt selbst der genügsamste Zeitgenosse irgendwann, dass es Zeit ist, sich dem Möbelkauf auf einem advanced level zuzuwenden und den splitternden Pressspan hinter sich zu lassen. Das ist allerdings zeitaufwändig. Wer jemals mit seiner/m PartnerIn Stühle fürs gemeinsame Esszimmer erworben hat, weiß, wovon ich rede. Dabei gehört ja eigentlich nicht viel dazu: Sitzfläche. Beine. Lehne, wenn möglich. That’s it.

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Und wir sind dann Helden

Auf der Suche nach Kreativität 4.0 gehört es für Unternehmen fast schon zum guten Ton, Tagungen oder Workshops zu veranstalten in halb umgebauten Lofts in Berlin Neukölln oder im Wedding. Gerne noch mit ein bisschen Bauschutt-Optik, in ehemaligen Manufaktur-Räumen oder Hinterhof-Remisen mit selbstgezimmertem Mobiliar aus Europaletten. Endlich mal ein bisschen Start-up Spirit für die eingerosteten Mitarbeiterseelen, zieht Euch Sneakers und ein T-Shirt an, Hi, ich bin der Marc, und hier duzen wir uns übrigens, das W-Lan Passwort „COOLdassIHRdaSEID!“. Los geht’s, wir zeigen Euch, wie das geht mit der Kreativität. Powerfood aus Palmblätterbowls for Lunch und dazu Ingwertee, krass wie man hier arbeitet, echt super, was da so entstehen kann, lasst uns doch eine Community sein.

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Alles so schön laut hier!

Ich habe einen Brieffreund. Er heißt John, ist sehr treu und schreibt mir einmal im Monat. Und dass, obwohl ich ihm nie antworte. „Hi Monika!“ gehen seine Briefe los, die in Wahrheit Mails sind. Manchmal auch nur mit „Monika!“ Ich hab‘ gelernt, das macht der Amerikaner so, es klingt irgendwie professionell und man fühlt sich so, als ob man endlich richtig englisch kann, wenn man nicht mehr die altbackenen Briefformeln aus der Schulzeit benutzt. Das Problem ist, dass ich mir dazu immer die Stimme meiner Mutter vorstelle, wenn sie zum 2. Mal zum Essen rief. Wenn ich „Monika!“ lese, höre ich in Wahrheit „Monika!!!!!!“ John versucht mich einmal im Monat davon zu überzeugen, dass ich jetzt aber wirklich seinen „Recruiting Support & RPO“ einkaufen soll. Er schickt mir manchmal eine bunte Liste mit Logos von anderen, die das auch gekauft haben, und sagt mir, dass das echt eine gute Sache war. Als ich mich frage, was RPO ist, bekomme ich schon eine nächste Post von John, der das wahrscheinlich gemerkt hat, weil ich schon wieder nicht geantwortet habe, „What is RPO“ heißt die Mail. Neben John habe ich auch noch andere Brieffreunde und -freundinnen. Christle mailt mir z.B. öfter mal, ihre Mails beginnen mit „I just wanted to touch base!“ was echt cool klingt. Brian möchte mir ab und zu erzählen, wen er letzte Woche gesprochen hat, Greg fragt, ob es mir denn gut gehe?, Paige ist sich sicher, dass ich ihr fantastisches neues Buch bestimmt mag, Anne fragt sich, ob ich ihre letzte Nachricht vielleicht verpasst habe? Und Tiffany bedankt sich für den incredible support throughout this time (ok ich kann mich gar nicht dran erinnern, aber wenn sie es sagt…?). Die meisten dieser Brieffreunde sind international. Ein paar kommen auch aus Deutschland, aber die schreiben nicht so nette „Hi Monika“-Sätze am Anfang.

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Hallo Ego, ich bin die Intuition!

Wenn ich an peinliche Erlebnisse meiner Schulzeit zurückdenke, gibt es eines, auf das ich aus der selbstbewussten Erwachsenenperspektive noch immer mit kopfschüttelndem Blick schaue. Ein sonniger Vormittag in einem Musikraum, die Aufgabe war das Vorsingen eines Liedchens; wir mögen so im 10. oder 11. Jahrgang gewesen sein, die Irrungen und Wirrungen der Pubertät in vollem Gange. Vorsingen. Vor. Allen. Obwohl als Klassensprecherin nicht auf den Mund gefallen, scheute ich die Blamage und das Scheitern. Das offene Grinsen der Chaoten aus der letzten Reihe. Das versteckte Grinsen derer, von denen man gemocht werden wollte. Die Imaginationskraft, dass diese Angst bei allen vorhanden sein könnte, hatte ich nicht; mit schwitzenden Händen wartete ich auf das Aufrufen meines Namens und ließ mir dann die Optionen kurz erklären (Singen und Bewertung; Nicht-Singen und eine „6“). Ich traf eine Wahl und entschied mich kurzerhand für die 6. Hände wieder trocken, nix riskiert und bei den peers sogar noch Coolness-Punkte für Aufsässigkeit eingesammelt. Bereut habe ich das nie; mich aber trotzdem oft gefragt: warum habe ich nicht einfach gesungen?

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Sound of Kiez

Müller, Meier, Schneider – seit Jahren führen sie unangefochten die Liste der häufigsten Familiennamen in Deutschland an. Kombiniert mit den häufigsten Vornamen (google sagt: Ursula/Karin/Helga bzw. Peter/Michael/Thomas) lässt sich vermutlich bei jedem zweiten Deutschen ein Treffer im jeweiligen Bekannten- und Verwandtenkreis herstellen. Namensdopplungen sind nicht selten, die Peter Schneiders, Thomas Müllers und Karin Meiers dieser Welt tragen sie – zumindest die, die ich kenne – mit Gelassenheit.  IT Systeme der Großunternehmen, in denen viele Menschen und manchmal auch solche gleichen Namens arbeiten, erfinden kreative Lösungen für Mailanschriftenvergabe wie Karin.Mueller2 oder auch Karin.Ka.Mueller. Das Wort „Namensvetter“ wiederum lässt an Familie erinnern, es hört sich gemütlich an, so zu heißen wie jemand anderes. Wir fühlen uns irgendwie verbunden. Als ich kurz nach Gründung meines Blogs das „The Sound of Work“-Projekt kennenlernte, hat mich das daher auch vor allem erstmal eins gemacht: neugierig auf die Gedanken anderer zu dem, was Rhythmus und Sound im Arbeitsleben bedeutet.

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